Das Leben einer Orchidee im Wasser – Update eines Experiments

Dieser Beitrag ist ein Gastbeitrag von Dani vom Garteninspektor-Blog aus Österreich. Vielen Dank liebe Dani, dass ich den Beitrag hier samt Fotos veröffentlichen darf.

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Zum ersten Teil des Experiments
Zum zweiten Teil des Experiments

Ein paar scheele Blicke und Lacher habe ich schon geerntet, als ich zu einem gewagten Orchideen Experiment angesetzt habe. Heute lache ich darüber und die einst Ungläubigen und Zweifler diskutieren nach wie vor heftig, wie so etwas nur möglich sein kann.

Eine der wenigen, die an einen möglichen blütenreichen Ausgang dieses Abenteuers geglaubt haben, war Jessica. An dieser Stelle möchte ich dir, liebe Jessica, recht herzlich für deine Unterstützung danken ebenso wie für die Einladung, ein Update zu verfassen und zu berichten, wie sich die Lage bis heute entwickelt hat.

Orchideen im Wasser

In den vergangenen Monaten habe ich die Probe aufs Exempel gemacht. Aus einer kleinen Verzagtheit heraus, anscheinend nicht in der Lage zu sein, eine Orchidee entsprechend ihrer Bedürfnisse durchzubringen. Natürlich war mir klar, dass Orchideen im Regenwald natürlich deutlich anderen Bedingungen ausgesetzt sind als auf der sicheren Fensterbank. Und dem Wasser gar nicht so abgeneigt, wie weithin behauptet. Doch wirklich spannend war die Tatsache, dass es Orchideenzüchter geben soll, die ihre Pflanzen ausschließlich im Wasser kultivieren.

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Was mir zu denken gab, denn als mittlerweile gewitzte Orchideenflüsterin habe ich von der Pike auf gelernt und wusste damals schon, dass Fäulnis der größte Feind von Orchideen ist. Wie sich diese Annahme mit einer dauerhaft nassen Umgebung vereinbaren lässt, hat sich mir bis heute nicht erschlossen. Möglicherweise ein Denkfehler meinerseits, vielleicht habe ich einfach etwas falsch verstanden oder das Ganze ist ein großer Irrglauben.

Die Idee, dass man eine Orchidee zu Tode gießen kann, würde damit jeglicher Grundlage entbehren. Doch wie so oft wird es eine Mischung aus mehreren Faktoren sein, die hier zum Tragen kommt. Im konkreten Fall wohl die aus Substrat und Überflutung.

Das Experiment

Für alle Leser, die hier quer in die Geschichte einsteigen, noch einmal kurz die Stationen aus dem Leben meiner Phalaenopsis, einer veritablen Wasserratte. Im Zeitraffer:

Start des Full Water Culture Experiments

August 2017

Meine Orchidee hat lediglich ein paar grüne Blätter und sonst nichts. Der Einzug ins Wasserbad wird vorbereitet.

September 2017

Neues Leben regt sich, ein junges Blatt schiebt sich ans Tageslicht.

Oktober 2017

Ein frischer Blütenstängel zeigt sich.

November 2017

Erste Blütenknospen entpuppen sich.

Dann endlich im Dezember 2017

Mein Weihnachtswunder

Die Orchidee blüht tatsächlich im Wasser.

Pünktlich zu Weihnachten öffnen sich die Blüten der Phalaenopsis. Foto: Dani / www.garteninspektor.com

Ein Jahr später

Nach dieser Erfolgsgeschichte gab es kein Zurück mehr für die Orchidee. Ihr Element war, ist und wird das Wasser bleiben. 17 Monate später steht auch Anfang 2019 wieder Nachwuchs ins Haus.

Die Blüten sind zwar gerade auf dem saisonalen Rückzug, doch hat sich zu Beginn des neuen Jahres ein verheißungsvoller Blütenstängel entwickelt. Die Freude war bei seinem Anblick groß, denn insgeheim kann ich mir bis heute noch immer keinen Reim darauf machen, dass die Orchidee das tatsächlich so schafft.

Zu meiner großen Freude entdeckte ich kurz darauf einen zweiten Blütenstiel, der sich aus einem alten und vertrockneten Blütenstiel an Licht schob. Anfänglich gut versteckt hinter einem Blatt.

Ein neuer Seitentrieb entwickelt sich aus einem verblühten Blütenstiel. Foto: Dani / www.garteninspektor.com

Insofern eine große Überraschung, da ich zuerst eigentlich gar nicht wusste, wie ich mit dem verholzten Stiel überhaupt umgehen sollte. Abschneiden oder doch eher dran lassen?

Ich habe mich sicherheitshalber für die zweite Variante entschieden, auch wenn es zeitweise nicht sehr schön ausgesehen hat. Nach meinen schlechten Erfahrungen mit der Vorgängerin der Wasserorchidee, der ich im guten Glauben, ihr auf die Sprünge helfen zu können, die verfaulten Wurzeln abgeschnitten und sie so wahrscheinlich verletzt und ins Nirvana befördert hatte, war klar: ich lass besser die Finger davon, auch nur einen unnötigen Schnitt zu setzen. Lieber eine Orchidee mit holzigem Stängel als gar keine Orchidee.

Wildwuchs im Wasserkrug

Die Orchidee hat es mir gedankt und mir aus dem alten Holz einen neuen Trieb geschenkt. Genau am Übergang zwischen dem saftig grünen und dem verholzten Teil. Im Nachhinein wirklich großes Glück, denn wer weiß, wo ich den Schnitt angesetzt hätte. Gar nicht auszudenken!

Es zeigt sich reges Wachstum. Foto: Dani / www.garteninspektor.com

Während nun die alten Blüten dieser Tage gerade am Verblühen sind, treibt meine Schöne gleichzeitig an allen Ecken und Enden aus und sorgt für Nachwuchs in den eigenen Reihen. Fünf neue Blütenköpfchen habe ich schon erspäht, weiterer Nachwuchs ist unterwegs.

Die Blütentriebe sprießen. Foto: Dani / www.garteninspektor,com

Verbesserungspotential am Rande

Natürlich gibt es derzeit auch noch ein paar Optimierungsmöglichkeiten, an denen ich noch tüftle.

Eine davon betrifft die Wuchsrichtung der Pflanze. Haltung sieht anders aus. Im Wasserbad schwimmend, scheint sie ihr natürliches Gleichgewicht verloren zu haben. Die Blütenstängel lehnen seitlastig geneigt über den Glasrand und die Pflanze wächst horizontal statt vertikal.

Schiefe Stengel, aber wunderschöne Blüten daran. Foto: Dani / www.garteninspektor.com

Ich dürfte diese Entwicklung des schiefen Winkels regelrecht verpasst haben, denn heute lässt sie sich nicht mehr gut nach oben hin ausrichten. Zumindest nicht, ohne dass ich ihr dabei die Rippen brechen würde.

Doch bin ich mir sicher, auch dafür eine Lösung zu finden. Eventuell tausche ich den Wasserkrug gegen ein etwas größeres Glas aus, das der Orchidee besseren Halt bietet. In der Zwischenzeit habe ich mir einfach Unterstützung von meiner Flamingo Gießkanne geholt, die etwas Abhilfe leisten kann. Der Flamingo ersetzt zwar nicht den Stab zum Fixieren des Stängels, stützt aber die Orchidee ganz gut von unten. Damit ja nichts abbricht.

Gestatten: Assistent Flamingo. Foto: Dani / www.garteninspektor.com

Bei den kommenden neuen Blütenstängeln werde ich aufmerksam versuchen, die Wuchsrichtung gleich von Anfang an zu korrigieren. Ohne Schaden anzurichten, aber doch mit einer gewissen Konsequenz.

Fazit

Die Pflege der Orchidee im Wasser gestaltet sich denkbar einfach und lässt sogar den einen oder anderen Urlaub zwischen den Wasserwechseln zu. Ein klarer Vorteil, denn vertrocknen ist so gut wie unmöglich!

Und ich hätte nie gedacht, dass eine Orchidee derart wassertauglich ist. Aber es funktioniert tatsächlich und macht richtig großen Spaß.

Probieren Sie es einfach aus und lassen sich überraschen!

Foto: Dani / www.garteninspektor.com

14 Kommentare

  1. Hallo ich habe deinen Beitrag mit Begeisterung gelesen und bin gleich ans Werk wobei ich meine Orchideen nicht ganz im Wasser habe sonder nur unten im Glas.. jetzt nach 4 Wochen kommen die ersten neuen Blätter ich bin total begeistert

    • Hallo und vielen Dank für deinen Kommentar. Das freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat und die Methode bei dir auch zu funktionieren scheint.
      Viel Erfolg weiterhin und liebe Grüße.
      Jessica

  2. Schön, dass ich Deinen Bericht hier gefunden habe.
    Ich habe seit Jahren Orchideen und erfreue mich an ihren schönen Blüten. Und sie haben so oft und so vie geblüht. 🙂

    Ich habe sie immer komplett anders gegossen, als alle sagten. Sie blieben immer im Substrat, aber sie hatten fast immer Wasser. Ich goss sie also, so dass ein Teil im Wasser stand. Zwischendurch wurden sie trocken. Dann goss ich sie wieder, so dass sie im Wasser standen und so blieben.

    Nun habe ich mich vor einiger Zeit ganz genau mit dem Thema Orchideen befasst und habe sie dann nach etlichen „Forumslesungen“ in neues Substrat gepackt und tauche sie nur noch.

    Was soll ich sagen, eine Orchidee habe ich heute komplett verloren. Die anderen kämpfen ums Überleben. Ich bin so gefrustet, weil ich geändert habe, was doch Jahrelang geklappt hat. Ich dachte, ich tue ihnen etwas Gutes.

    Nachdem ich nun Deinen Bericht gefunden habe, ärgert es mich umso mehr, da ich eben sehe, dass das was ich gemacht habe, nicht falsch war. Bei Dir klappt es auch wunderbar.

    Nun habe erst einmal eine meiner Orchideen genommen und das Substrat entfernt. So wie DU es gemacht hast. Ich werde wieder umstellen und hoffe, dass das ales nicht zu sehr Stress für meine Pflanzen ist und sie alle sich wieder berappeln.

  3. Ich hab meine Orchidee die zum zugrunde gehen verurteilt war, bevor ich deinen Blog kannte, auf die gleiche weise ins Wasserbad gestellt. Steht ihr, die Müsli Schale. Es ist vier Tage her und die gute bekommt auf einmal ein neues Blatt. Wenn das so weitergeht, Wandert ihre Schwester auch ins Wasserbad… Mir gingen schon drei Orchideen ein und ich war am verzweifeln.

    • Vielen Dank für deinen Kommentar. Das freut mich sehr, dass du so gute Erfahrungen mit dieser Methode gemacht hast und sie hier mitteilst.
      Viel Erfolg weiterhin, berichte gerne ab und an mal. Liebe Grüße Jessica

  4. Eine spannende Sache, werde es auch versuchen. Wie ist das mit düngen? Nimmst du nur Wasser? Bin über diesen Blog gestolpert, da ich sowas mit anderen Pflanzen versuchen möchte, z.b. Zitronengras und Chili und andere.

    • Das freut mich, dass du auf deiner Suche über meinen Blog gestolpert bist. Ich müsste die Autorin fragen, wie es mit dem Düngen aussieht. Schätze aber, dass es nicht verkehrt ist, ab und an ein klein wenig Orchideendünger zuzugeben.

      Liebe Grüße
      Jessica

      • Hallo Jessica,
        Ab und zu mal einen Tropfen vom Orchideendünger wird ihr bestimmt gut tun. So, ich habe nun soeben eine meiner Phalaenopsis ausgetopft, die Wurzeln zurück geschnitten und die Pflanze wie im Bericht beschrieben, ins Wasser gestellt. Bin sehr gespannt… Als ich letztes Jahr die Orchideen meiner Nachbarin in deren Ferien giessen musste, entdeckte ich, dass die Wurzen, wegen zuviel giessen, alle verfault waren. Jedoch wunderte ich mich umso mehr, wie schön die Orchideen trotzdem blühten. Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, ausser dass mit dem Fäulnisprozell vielleicht Nährstoffe für die Orchidee entstehen und Wurzeln fürs Überleben nicht absolut wichtig sind.
        Gruss
        Caroline

  5. Hallo

    schön das es geklappt hat und ich habe auch 2 ins wasser gesetzt habe noch keine blüten aber die blätter sind noch grün

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